Ankunft in Delhi

Ich schaue aus dem Fenster und sehe Sterne über und uner mir. Der Mond scheint hell durchs Flugzeugfenster. ‘Wie gerne würde ich jetzt Sternschnuppen sehen!’ - denke ich noch romantisch vor mir her, bevor ich mich daran erinnere, dass es ja kleine Meteoriten sind. Gleich danach denke grüble ich, ob dann solche Dinger auch unser Flugzeug treffen können, während gleichzeitig das Bild aufflackert, wie das geschieht und wir überm schwarzem Meer (oder war es das Rote?) abstürzen. Bevor richtig Panik aufkommen kann, schüttel ich mit einem ‘Om ami dewa hri’ diese Vorstellung von mir und klappe die Fensterlade wieder zu.

Das nächste Mal, als ich aus dem Fenster schaue, blicke ich auf Neu Delhi und verstehe sofort, was eine Freundin damit meinte, dass Delhi immer staubig ist: Es gibt wenig Grünflächen, der Rasen ist fast überall ausgedorrt und es hängt eine rötlich gelbe Glocke über der Stadt, ähnlich wie in Mexico City der Smog, nur in grau.

Ich sehe Wohnsiedlungen wie zu Hause auch. Neu dagegen sind die zusammengepferchten Hütten der Armen und aofort erinnere ich mich an den Film “Slumdog Millionaire”.
Doch wer schonmal bei Tag in Mexico City angeflogen kam, der wird sich beim Anblick Neu Delhis nicht mehr sonderlich erschrecken.

Da unsere Maschine nicht mal zur Hälfte voll war, ging alles recht schnell und so kam ich denn mit meinem immernoch 15 kg schweren Rucksack in die Eingangshalle des Indira Gandhis International Airports.

Nach allem, was ich gehört habe, hatte ich mir die Ankunft viel heftiger vorgestellt. Doch es war weder laut, noch kam einer auf mich zugerannt und wollte mir was andrehen, mir “helfen” oder mich zu einem schäbigen Hotel führen. Man hat mich zwar nicht beim Taxitarif beschissen, dafür aber beim Kauf der SIM Karte, aber einen zu glatten Einstieg hätte ich wiederum auch suspekt gefunden.

Das mit rechts sitzen und fahren und Linksverkehr habe ich auch mal gleich verpeilt und renne schnurstracks auf die falsche Seite des Taxis, während eine ganze Traube and Fahrern links die Wagentür für mich aufhält und mich dabei anschauen als wäre ich total bescheuert, weil ich auf der falschen Seite, wo es mal eben keine Tür gibt, einsteigen will.
Für ein von der Polizei betriebenes Taxi ist es ziemlich klapprig, der Fahrer guckt ein paar Mal grimmig in den Rückspiegel und erwidere den Blick à la ‘erwischt!’
Die Fahrt zu meinem Couchsurfing-Gastgeber ist chaotisch; es erstaunt mich wie schlecht der Taxifahrer fährt, weder auf der einen, noch der anderen Spur, ständig überholen uns Busse, Autos und natürlich Motorräder und Vespas. Alle hupen und ich brauche grundsätzlich ziemlich lange bis mir auffällt, dass alle nicht etwa wegen ums hupen, sondern dass Inder dies aus reiner “Vorsicht” und “hoppla hier komm ich” tun, was ich wiederum nicht so stressig finde wie in Mexiko, wo die Hup-Melodie auf eine ziemlich üble Beschimpfung bezüglich deiner Mutter hindeutet.

Mein Gastgeber Rishi ist super nett und witzig, tut alles, damit es mir gut geht: In meinem separatem Zimmer habe ich neben einen riesen LED Fernseher einen Wasserkocher, eine große Schachtel Teebeutel, Toastbrot, Nutella, Kekse und Schokoriegel. Es ist wie in einem Hotel. Obwohl ich es schön und entspannend finde, finde ich es auch befremdlich, mich von einem Jungen bedienen zu lassen, der nicht älter als 14 zu sein scheint und den Rischi als seinen “servant” bezeichnet ( wenn er ihn doch immerhin mit seinem Namen anspricht).

Nach einem leckeren Frühstück mit dem obligatorischem Chai-Tee, lege ich mich eine Runde hin, um dann abends eine Runde in der Gegend zu drehen. Ich laufe über einen lokalen Markt und bewundere die Kleider der Frauen, das bunte Treiben, die Stände und irgendwie erinnert es mich in so vielen Dingen an die Märkte zu Hause, so etwa das Obst und Gemüse, die ygerüche der Gewürze, das Gewusel und der Geschrei. Auf dem größten Markt (La Merced( geht es ähnlich zu - und ich denke daran, wie oft ich mit meinem Mitbewohner dort einkaufen war. Ich werde zwar viel angeschaut, doch nie kommt mir jemand zu nahe oder will mir was aufzwängen. Rishi sagt, das habe damit zu tun, dass ich mich landestypisch Kleide und mich in gewisser Weise mich hier zu bewegen weiß. Mexiko ist also ein gutes Trainingscamp für Indien.

Wie schon bei der Taxifahrt fällt mir wieder auf, dass viel staubiger Sand in der Luft ist, erst recht, da es ziemlich windet. Ebenso auffällig ist der Geruch nach verbrannten Holz, der zu jeder Zeit und an jedem Ort wahrzunehmen ist.

Egal was es ist, aber ich kann die Abneigung, die so viele gegen Indien oder speziell Neu Delhi haben, (noch) nicht nachempfinden. Doch das hängt mit Sicherheit auch daran, dass nach einem einzigen Tag mit meinem Gastgeber die Suche nach Antworten, Inspiration, Bestätigung und einer Richtung schon begonnen hat.