Auf jedem Weg gibt es beschissene Stellen...das hier war die beschissenste

In den ersten Tagen des Jahres 2006 kam mir schon etwas merkwürdig vor. Wir hatten fest ausgemacht zu telefonieren, doch der Anruf blieb an diesem Tag weg. Auch am Folgetag und den Tag darauf. Als mehrere Tage ohne einen Anruf und Antwort auf meine E-Mails vergingen, wusste ich, dass es vorbei war. Es war eine logische Rechenformel, eine kohärente Folge meines Weggehens, die normale Spielregel des Lebens. Ich war betroffen und traurig, aber gefasst und entschlossen, den wichtigsten Mann meines Lebens nicht komplett zu verlieren. Wir würden nicht zusammen sein, doch ich wollte ihn nicht aus meinem Leben wissen und glaubte fest daran, dass eine Freundschaft nach einer Beziehung möglich war.

Also schrieb ich ihm eine kurze Mail, in der ich sagte, dass ich mir schon denken kann, dass was ist, denn so ein Schweigen hatten wir noch nie. Wenn er jemand anderes kennen gelernt habe, dann solle er es mir bitte sagen und wir sollte darüber reden, denn er ist mir sehr wichtig und ich will ihn nicht einfach so ohne Worte verlieren.

Seine Antwort war ernüchternd: Ein Zweizeiler. Tut mir leid, dass ich jetzt erst antworte, aber ich hatte viel Arbeit und zudem habe ich jemanden kennen gelernt. Ich möchte dem erstmal nachgehen, um meine Gefühle zu ordnen.Vielleicht ist es nicht wortwörtlich, doch in etwa der Sinn seiner Nachricht. Ich war geschockt, verunsichert und hätte gern geredet. Doch wie auch alle anderen Männer, die ich kannte, war er feige und ging nicht ans Telefon oder ließ sich leugnen.

Als ich dann von meiner Schwester erfuhr, was passiert war und mit wem er zusammen war, schon wie lange und wie hinterhältig das ganze war, passierte etwas mit mir, was ich im Nachhinein als eine Depression betrachten würde. Oder mit anderen Worten: es begann eine Zeit der emotionalen Zombie-Existenz mit selbstzerstörerischen Tendenzen. Ich wollte ihn nie im Leben wiedersehen, kein Wort jemals mit ihm wechseln und er sollte sich unterstehen auch je wieder mit mir in Kontakt zu treten.

Ich konnte ihm nicht den Vorwurf machen, fremd gegangen zu sein, denn ich tat es gerade selber, seit ein paar Tagen. Die Verbitterung lag eigentlich mehr in dem Gefühl, komplett verraten worden zu sein. Jemandem, dem ich über fünf Jahren vertraut hatte, zu dem ich loyal gewesen bin, den ich verteidigt hatte und vor allem den ich in jedem Moment geliebt hatte, ließ mich ins offene Messer laufen. Als ich das erste Mal für mehrere Monate nach Mexiko gegangen war und er in Deutschland blieb, schlug ich ihm einen Deal vor: Wenn er irgendwann einfach nur ein Bettgehupfe mit einer haben sollte, dann ist es ok, dann will ich es auch gar nicht wissen und er braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Doch in dem Moment, in dem er sich verliebt, möchte ich nur, dass wir reden, denn dann betrifft es uns beide und gemeinsam müssen wir eine Entscheidung treffen.

War es denn zu viel verlangt? Es ging doch nicht darum, dass man sich nicht neu verlieben durfte, dass man Schluss machte, oder dass man sich im Bett betrog. Es ging um Loyalität und darum, dass das Schweigen in dieser Situation das fremdgehen des Vertrauens darstellte!

Zum Glück war Alex da. Er hatte auch eine Freundin und betrog sie. Mit mir. Ich war aber nicht die Erste. Es war mir egal, was er und mit wem er war, denn er war eine willkommene Abwechslung, vor allem aber eine Ablenkung. Es ging ein paar Monate mit uns und auch wenn er immer Bekundungen machte, er würde seine Freundin verlassen, doch es ist nicht der richtige Moment, und ich solle noch warten blablabla. Ich hatte seit Jahre ähnliche Bekundungen und Versprechen gehört: Du bist die Frau meines Lebens, ich will dich heiraten, ich komme nach Mexiko nach, sobald ich zuerst dies, dann jenes fertig habe, sobald ich gesund bin und so weiter und so fort. Ich habe sie Jahre lang geglaubt und ich glaubte auch Alex. Bis zu meinem Geburtstag, als mir meine Tante mit traurigem Blick sagte:“Mädchen, er wird seine Freundin nicht verlassen…“

Ebenso traurigen Blickes schaute ich sie an und wusste, sie hatte Recht. Ich meldete mich nie wieder bei Alex. Er kam nochmal und beteuerte, er würde um mich kämpfen und so einfach werde er mich nicht gehen lassen. Doch vermutlich hat er solche Sprüche aus seinen vielen mexikanischen Macho-Liedern rauskopiert, denn sein Kampf war gleich mal Null. Übrigens genauso wie sein kleiner Freund da unten.

Nun denn, an Ablenkungen fehlt es in Mexiko zum Glück ja nicht und meine Woche war ohnehin recht zeitaufwendig, denn ich hatte mich zum halbjährigem Ausbildungskurs für Reiseleiter angemeldet. Dreimal die Woche für fünf Stunden, dazwischen Texte lesen, vorbereiten und Inhalte lernen. Ich gab in der freien Zeit Deutschunterrich, vermietete ein Zimmer in meiner ohnehin großen Wohnung an einen schwulen Egozentriker und weshalb auch immer magerte ich auf 47 Kilo ab. Nicht gewollt und bestimmt auch nicht bewußt, aber vermutlich war es der Stress, der Mangel an Geld, Mangel an Liebe und Fürsorge und Mangel an Vision.

Mit meinem Vater war ich etwas verstritten, weil ich nicht seine Billigangestellte in seiner frisch gegründeten, nicht erfolgreichen Firma sein wollte, sondern weil ich meinem Traum und Vorhaben nachging, Reiseleiterin zu werden. Meine Mutter und ich hatten seit mehreren Jahren schon keinen Kontakt mehr, meine Schwester war in Deutschland und meine „beste Freundin“, von der ich zumindest dachte sie sei es, war mit ihrem eigenem verwöhnten Leben so beschäftigt, dass sie gar nicht wahr nahm, wie beschissen es mir ging.

Es muss in etwa im April gewesen sein, als ich mich entschloss, mich als Tour Guide zu bewerben, um mexikanische Fußballfanatiker nach Deutschland zur WM zu begleiten. Ich wurde angenommen und so nahm ich an den unterschiedlichen Schulungseinheiten teil. Mal war es ein ganzer Tag beim roten Kreuz einen Erste-Hilfe-Kurs machen, bei dem wir am Ende auf dem Helikopterparkplatz eine mega Katastrophenszene nachgestellt bekamen und wir dann „beweisen“ mussten wie top fit wir nun seien, Menschenleben zu retten. Ein paar meldeten sich freiwillig Verletzte zu spielen, so auch Efren. Ein Deutsch-Mexikaner (die im übrigen nur so in unserem Team wimmelten, weil wir durch unsere bilinguale Erziehung und „Deutschlanderfahrung“ sehr gefragt waren), der auf die deutsche Schule ging. Er spielte American Football und sah dementsprechen geformt aus. Dass er, nachdem die Übung dann vorbei war, für den Rest des Nachmittags im Saal oben ohne lief und sich wohl noch voll geil dabei vorkam, blieb wahrscheinlich uns allen in Erinnerung – den Mädchen, weil sein Sixpack, Bizeps, Trizeps und wie sie alle heißen gut aussahen, den Männern, weil sie von Neid erfüllt genervt waren, dass ihre Chicas oder Möchtergern-Chicas nur noch Augen für diesen Spasti hatten.

Ein anderes Mal mussten wir zur Ausgrabungsstätte nach Cholula (ca. 2 Stunden von Mexiko Stadt) fahren, um unsere Kompetenzen als Guides zu erproben. Bei dieser Fahrt lernte ich Guillermo kennen. Anfang dreißig, Mexikaner mit deutschem Großvater, berufstätig, single, blaue Augen. Wir kamen ins Gespräch, tauschten Nummern, simsten ein paar Tage hin und her, trafen uns beim nächsten „Trainingsgespräch“ wieder, gingen Quesadillasessen und irgendwann waren wir zusammen. Dabei kann ich mich heute überhaupt nicht mehr daran erinnern, wie, wann und warum. Zombie eben. Ich war innerlich zerschlagen und statt frisches Menschenfleisch wollte ich frische Gefühle, geliebt werden, Zuneigung bekommen. Dabei richtete sich meine Aufmerksamkeit immer auf den erstbesten Dahergelaufenen, Ansprüche hatte ich keine, Zeit auch nicht – es ging nur darum schnell eine Leere zu füllen.

Guillermo war, wie Alex auch, doch auf seine Weise ein Pendejo (der mexikanische Inbegriff eines Vollidioten). Bevor wir zusammen kamen, war er irgendwann bei mir zu Hause, wir unterhielten uns in der Küche und es passierte dann, dass wir „das Gespräch“ führten. In Mexiko sagen wir „me llegó“ und meint damit das verbale Kundtun eine Mannes gegenüber einer Frau, dass er mit ihr zusammen sein will. Auf Deutsch sagt man dazu „fragen, ob du mit ihm gehen willst“ und ist eine Praxis, die, wie ihr wohl wisst, allerspätestens in der siebten Klasse abgelegt wird.

Nun denn, ich schluckte diese schlechte Szene, schluckte vor allem auch diesen abgedudelten Spruch von wegen „Kirsten, ich werde dich nicht verletzen“ und wie gesagt kann ich mich nicht erinnern wann und wie aber wir waren zusammen.

Er war aus gutem Hause. Das allerdings bedeutet in Mexiko aus einer konservativen Familie zu sein und will sagen, dass du solange bei Mutti lebst, bis du heiratest. Egal, ob Mann schon über dreißig ist. Der Bringer war allerdings, als er mal meinte, wenn ich bei ihm zu Hause übernachten sollte, dann würde er auf dem Sofa unten pennen und ich in seinem Bett. Weil, mit seiner Mutter im Haus müsste man ja alles so respektieren und so, ne. Er war auch die Sorte von Mexikaner, der nicht in öffentliche Verkehrsmittel stieg, weil er glaubte, dort würde man generell und immer von irgendwelchem Gesindel überfallen und bei der erstbesten Gelegenheit entführt werden.

Spätestens da hätte ich die Kurve kriegen sollen. Die Sirenen heulten ja schon seit „dem Gespräch“. Zombie.

Ich rannte aber auch dann nicht davon, als er gegenüber seiner Mutter über mich spottete, weil ich überzeugter Anhänger des damaligen sozialdemokraitschen Präsidentschaftskandidaten (Andrés Manuel López Obrador, kurz: AMLO) war und ich ihn wählen wollte. Guillermo und seine Spießerfamilie mit all ihrer oldfashion Prüderie und ihren peinlichen Kreuzanhängerchen um den Hals (das ich besonders abtörnend fand), waren natürlich aus Prinzip rechtskonservativ und AMLO stellte für sie den Antichristen dar. Als ich es für genug empfand und ihm sagte, er müsse meine politischen Überzeugungen seiner Mutter nicht aufdrängen, sondern könne sie gerne auch für sich behalten, war er so dermaßen eingeschnappt darüber, dass er auf der Rückfahrt kein Wort mit mir sprach. Bevor ich ausstieg sagte er mir dann äußerst pathetisch, wie unkorrekt er es fand, ihn so zurecht zu weisen und was ich getan hätte, wäre eine Erinnerung daran, weshalb er so lange single war. Mir war schon klar, dass er damit meinte, ich sei die dreiste und gemeine Zicke, die ihn so völlig gemein und zu Unrecht so fies behandelte. Hinterher war mir ebenso einiges klar: Wenn er oben liegt und sein kastrierender, einschläfernder, abtötender Kreuzanhänger einer Frau ins Gesicht baumelt, und mit dreißig noch fragt „willst du mit mir gehen?“ aber auf der Couch schläft, während seine Schnitte in seinem Bett liegt, ja, da wundert mich auch nicht, dass er so lange ohne Freundin auskommen musste und weiterhin tun würde.

Ich erinnere mich zwar, weshalb ich schließlich mit ihm Schluss machte, aber das ist unspektakulär, denn ich hatte (noch während ich mit ihm zusammen war) ja schon jemand anderen kennen gelernt, nämlich Antonio.

Tony war auch in meinem Team und wollte wie wir alle nach Deutschland geschickt werden. Auch wenn ich ihn zuvor nicht richtig wahr genommen hatte, so wusste ich, dass es ihn gab, hatte ihn schonmal gesehen. Es kam aber erst, als wir bei einer Schulung nebeneinander saßen. Zuerst. Dann setzte er sich schräg gegen über von mir, vergaß aber seine Sachen auf seinem vorherigem Platz. Er bat mich, sie ihm zu reichen, was ich auch tat. Wir waren beide ernst, guckten uns in die Augen ohen mit der Wimper zu zucken, und so erlaubte ich mir einen Scherz: Jedesmal, wenn er seinen Block und Stift ergreifen wollte, zuckte ich weg und er griff ins Leere. Einmal, zweimal, beim Dritten mussten wir beide lachen. Das erweckte sein Interesse an mir. Aber ich war ja noch mit Vollmongo Guillermo zusammen. Daran aber erinnere ich mich gut: Es war Samstag Abend, wir saßen in einem Café in derColonia Roma, nach dem Training wollte ich noch schnell ins Hexencafé, bis meine Freundin Sandra vorbei kam und wir ganz in der Nähe auf eine Party gingen.

Als wir fertig waren, freute ich mich riesig auf Sandra, auf ne Party, auf Alkohol, auf Salsa und Hip Hop. In der Zeit zwischen dem Moment, an dem mein Inneres starb, bis zu dem Moment, an dem ich aus diesem Trainig kam, kann ich mich nicht daran erinnern, so gut gelaunt gewesen zu sein. Das strahlte ich wohl auch aus, denn während wir zum Hexencafé (das Café unserer Schulungsleiterin Karin, Deutsch, ausgewandert, Lehrerin) rüberlatschten, hatte ich plötzlich Antonio an meiner Seite und verwickelte mich ins Gespräch. Oberflächliches natürlich, darunter, weshalb ich so gut drauf sei (Party, Mann!!!). In Mexiko ist es vollkommen normal, legitim und eigentlich auch erwünscht, dass man alle möglichen Leute auf Partys einlädt, auf die man selber nur durch einen anderen eingeladen wurde. Also lud ich ihn ein. Er habe zwar noch was mit Karin zu besprechen und irgendwas von einer Internetseite aufbauen geredet, alles total egal, denn er kam nach. Es war der „Klick“ da, die Chemie stimmte. Er war offen, und fröhlich und hatte so ein ehrliches Lächeln und Lachen, wie konnte frau ihn nicht sympathisch finden?

Er kam auf die Party und wir verbrachten den ganzen Abend zusammen. Wir lachten und spaßten miteinander, unterhielten uns über Deutschland (er würde bald für ein Jahr dorthin gehen, um die Sprache zu lernen), was er studierte, darüber, dass ich einen Freund habe, naja, über Gott und die Welt halt. Ich mochte ihn seitdem wir uns im Café angelacht haben, und mochte ihn noch mehr, als diese Nacht vorbei war. Wir tauschten Nummern und E-Mail Adressen. Auch hier kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob wir danach noch großartig im Kontakt standen.

Doch wenige Tage nach dieser Party gab es erneut einen Vorfall mit Guillermo und wir machten an einem Mittwoch Schluss. Am Donnerstag ging ich in ein Internetcafé, loggte mich bei MSN ein, checkte meine Mails und Antonio chattete mich an. Wie es mir so ginge, dass ihm die Party sehr viel Spaß gemacht habe, wo ich gerade so sei. Ich sei im Zentrum (da wohnte ich ja auch), und alles wäre super, ich habe Guillermo in den Wind geschossen und ja, der Abend war echt gelungen. Na das sei ja ein Zufall, er sei auch gerade im Zentrum bei einem Klienten und ob wir uns nicht in einer Dreiviertelstunde treffen wollten und was trinken gingen…

Natürlich fand ich es überhaupt nicht ungewöhnlich, dass er nichtmal die Straße kannte, in der er sich im Zentrum angeblich bei seinem Klienten befand, und dass er so schnell da raus sein würde. Ich freute mich nur tierisch auf ein Treffen mit ihm und fand das ohnehin sehr gelegen, da ich ja nun auch mit Kreuz-Guillermo (oder Guillermo am Kreuz) nichts mehr am Hut hatte.

Später erzählte mir Tony, dass er gelogen hatte. Er befand sich nämlich gar nicht im Zentrum, sondern bei sich zu Hause, doch wusste er ganz genau, dass ich nein gesagt hätte, wenn er mich so direkt gefragt hätte, ob wir ausgingen (womit er Recht hatte, denn Anstandshalber bildete ich mir ein wenigstens so tun zu müssen, als ob mich die Trennung nach nur 2 Wochen mit einem pendejo traurig stimmte und ich könne ja nicht gleich schon wieder in die Arme des nächsten rennen). Doch das machte ihn nur noch liebenswürdiger und umso mehr wollte ich mich in seinen Armen verlieren. Ohnehin war ich schon verloren, warum dann nicht sich in jemanden verlieren?

Ich verliebte mich in Antonio. Das erste Mal seitdem ich mit Tib zusammen gekommen war. Das erste Mal in 5 einhalb Jahren, das erste Mal, seitdem ich aufgehört hatte, an die Liebe zu glauben. Tony war wunderbar, er hatte alles was dazu gehört und ich hatte perfekte vier Wochen mit ihm. Zwei in Mexiko, zwei in Deutschland, bei der WM. Es war wie die Liebesgeschichte eines Teenager-High-School-Films, der Inbegriff einer Sommerliebe. Doch auch dasTe Quiero zum Abschied am Flughafen, tröstete mich nicht lange. Denn wie jeder Mann bisher, schrieb er immer seltener und irgendwann musste ich mir erneut eingestehen, dass die Leere in mir einfach nicht zu füllen war. Es kam ein Salvador, ein Johannan, irgendein Däne, einer nach dem anderen, One-Night-Stands, Alkoholexzesse, Szene á la „Kids“, die schon fast an Vergewaltigung grenzten und die Leere verwandelte sich in ein großes schwarzes Loch, das jede emotionale Materie verschlang und zu Nichts werden ließ.

Ich vermisste Antonio so lange, bis er wieder kam und ich merken musste, dass der Funken zwischen uns erloschen war. Bis heute weiß ich nicht, was 2006 noch passierte. Verloren in diesem Nichts, ohne Ziel, ohne Weg gingen die Monate an mir vorbei, ohne das ich sie bemerkte. Nun war ich nicht mal mehr ein Zombie, ich war nichts, gar nichts mehr.

Ob mich das zum Buddhismus brachte? Wer weiß, aber der Buddhismus bringt mich heute jedenfalls wieder dorthin zurück.

Das Nichts ist nicht das Problem, sondern die Annahme, dass das Nichts nichts ist und die Leere einfach nur ein unausgefüllter Raum. Hätte ich vor 6 Jahren gewusst, dass die Leere nichts anderes ist, als die Erkenntnis, dass alles miteinander verknüpft ist und nur in der Weise existiert, wie ich sie interpretiere, hätte ich mir vielleicht so manchen peinlichen Typen, schlechten Sex und den vielen Alkohol erspart. Doch wäre es nicht passiert, hätte ich auch nicht irgenwann in der Zukunft nach einem Weg gesucht.

 

© Kirsten Liliane López Lüke