Zufälle gibt es nicht wirklich...

Da stehe ich nach einem langen Arbeitstag in Frankfurt am Main in irgend so einer U-Bahnhaltestelle am Fahrkartenautomaten und weiss mal überhaupt nicht wie das funktioniert. Ich war zwar noch nie in Frankfurt und daher kam ich mir nicht ganz so bescheuert vor, doch eigentlich der deutschen Sprache mächtig hätte ich doch verstehen müssen, wie man eine Karte zum Hauptbahnhof zieht. Doch ich verstand gar nichts. Ich war doch nur 6 einhalb Jahre weg aus Deutschland…

Es war weit und breit keine Menschenseele in der U-Bahn-Station, es war 21:15 Uhr, ich kam gerade von der EBS Business School, die in einem winzig kleinen Dorf in der Rhein-Weinbau-Region mit typisch deutschen Dorfnamen, liegt: Oestrich-Winkel.

Seit 7 Uhr war ich auf meinen Absatzschuhen, in Rock und Bluse unterwegs (und übrigens auch einer Strumpfhose, die - auch wenn auf der Verpackung stand, dass sie meiner Größe sei, viel zu groß war und daher total dämlich aussah, aber anscheinend ist Größe 38 in Deutschland größer als in Mexiko), und dementsprechend war ich echt fertig.

Mit einem Mal stand dann am Nebenautomaten ein junger Mann und zog sich ein Ticket. Da sprach ich ihn einfach salopp direkt deutsch (nicht sprachlich, sondern kulturell gemeint) an und bat ihn darum mir zu zeigen, wie ich denn zum Hauptbahnhof eine Karte ziehe. Als er sich umdrehte erkannte ich sofort das Gesicht eines ehemaligen Mitschülers aus der deutschen Schule in Mexiko. Ich hatte ihn seither nicht mehr gesehen. “Seither” ist seit 1998, als ich nach einem Jahr (elfte Klasse) wieder nach Deutschland zurück ging, um das Abitur dort zu machen.

Das entlockte mir dann doch ein “¡no mames!”, was ich aus anstandsgründen lieber nicht übersetze.

Auch wenn viele Leute dann zu sagen pflegen “Ach nee! Was für ein Zufall!” Ich glaube einfach nicht an Zufälle.

Als wir gemeinsam in der 11. Klasse waren, hatte er eine Freundin und dennoch fand ich ihn total toll und wir verstanden uns auch immer sehr gut. Besonders auf der Klassenreise verstanden wir uns dann so gut, dass wir rumknutschten. Natürlich heimlich, damit die anderen das nicht sahen und es an seine Freundin, die in der Parellelklasse war, weitersagten. Doch am Ende kam wieder das Gerechtigkeitsgefühl auf, was nach Ansicht aller, die mich kennen, besonders stark an mir ausgeprägt sein soll, und ich entschied mich, es auch nur bei diesem einen Mal Rumgeknutsche zu belassen.

Am Ende sind doch gerade diese “nicht in Erfüllung gegangenen” Liebschaften, solche die am meisten in Erinnerung bleiben und dich Schmunzeln lassen. In diesem Falle vor allem, weil wir Jahre später (nach der elften Klasse), bzw. Jahre vorher (vor dem heutigen Tage) über Internet-Chat uns gegenseitig eingestanden, dass wenn er damals nicht seine Freundin gehabt hätte, er mit mir und ich mit ihm hätte zusammen sein wollen.

Wenn du diesen Personen dann wiederbegegnest, freust du dich umso mehr auf das Wiedersehen-Bierchen nach 14 Jahren.

© Kirsten Liliane López Lüke, 1.3.2012